Archiv für den Autor: Anne Pohl

Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein

Seit unserem Einzug ins Abgeordnetenhaus von Berlin engagieren wir uns dafür, dass Behörden dem Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) nachkommen. Dabei schöpfen wir unsere parlamentarischen Mittel voll aus, schreiben kontinuierlich unbequeme Anfragen, nehmen Akteneinsicht, werten Statistiken aus oder fordern hartnäckig die Veröffentlichung von Aktenplänen.

Über die Jahre entstand eine Sammlung wichtiger Informationen, unterhaltsamer Anekdoten und Arbeitsgrundlagen für politisch Interessierte und Politiker_innen. Im neuen IFG-Blog stellen die 15 Piraten ihren Wissensschatz für alle zur Verfügung.

Wie gefällt euch das Projekt? Welche Informationen oder Leitfäden rund um das IFG fändet ihr außerdem hilfreich? Ich freue mich auf Feedback!

Die offizielle Pressemitteilung zum Blog gibts hier.

Antragsballett in Sachen Netzneutralität

Bereits im Mai wurde mein Antrag „Offene Infrastruktur statt Zwei-Klassen-Internet: Berlin setzt sich ein für die Verteidigung der Netzneutralität“ (Drucksache: 17/0972)“ in einer Anhörung im Ausschuss für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit (ITDat) behandelt.
Die Entscheidung über den Antrag wurde in Ermangelung eines abgestimmten Änderungsantrages der Koalition seitdem bereits zweimal vertagt.

In der gestrigen ITDat-Sitzung erhielten wir schließlich einen Änderungsantrag als Tischvorlage. Dieser hält sich gar nicht erst mit Ausführungen zu solchen „Details“ wie Deep-Packet-Inspection, Endgerätefreiheit oder mobiler Internetznutzung auf. Netzneutralität solle zwar grundsätzlich festgelegt werden, welche Grundsätze welche Eingriffe (un)zulässig machen, welche „klar geregelten“ Ausnahmen es gibt, wie diese geregelt werden und wie die Notwendigkeit dieser Ausnahmen festgestellt wird, bleibt jedoch offen.

Diese unspezifische Festschreibung stellt ein offenes Scheuentor für interessengeleitete Sonderregelungen dar – für wen welche Notwendigkeiten definiert und Ausnahmen geschaffen werden, führen die Fraktionen der SPD und CDU nicht aus. So ist der Antrag im Wesentlichen auch identisch zu den schwammigen Formulierungen in der „Digitalen Agenda“ der CDU.

Auch der letzte Punkt im Änderungsantrag, der schmissig fordert, dass „Innovation nicht gebremst werden dürfe“, bietet reichlich Raum für Interpretationen. Innovationen von kleinen Akteuren werden durch Einschränkungen der Netzneutralität gefährdet, während große Anbieter sich beispielsweise Ausnahmen erkaufen könnten. Der Antrag macht weder deutlich, wie dies verhindert werden könnte, noch welche und wessen Innovationen eigentlich gemeint sind.

Wir haben deshalb gestern klargemacht, dass wir der Änderung so nicht zustimmen. Der Antrag ist so wenig ein Bekenntnis zu echter Netzneutralität, dass wir uns enthalten würden. Letztlich wurde jedoch weder unser Antrag noch der Änderungsantrag angenommen oder abgelehnt. Während der Abstimmung zum Änderungsantrag fehlte ein SPD-Abgeordneter, sodass sich ein Gleichstand im Ergebnis ergab, der Antrag als nicht angenommen gewertet wird.

Wir warten gespannt auf die Plenarsitzung am 02. Oktober, wo der Antrag voraussichtlich nochmals behandelt wird. Die Koalition kann unseren Antrag erneut ablehnen, den Änderungsantrag nochmals stellen, den Änderungsantrag ablehnen oder vielleicht sogar einen eigenen Antrag einbringen. Ein bisschen Netzneutralität wollen wir schließlich alle. Nur eben nicht für jeden.

Hallo Peira e.V.!

Seit kurzem bin ich Mitglied bei Peira e.V. – Gesellschaft für politisches Wagnis.
Peira befasst sich mit piratennahen Themen wie politischer Teilhabe, Urheberrecht, Asypolitik und mit der Überwindung von Grenzen – physischen und denen in den Köpfen.

Der Verein will parteiübergreifend Debatten zu Demokratie, bestehenden Defiziten und Möglichkeiten anstoßen und aufnehmen und so politische Bildung und Teilhabe fördern.

Ich freue mich auf spannende Veranstaltungen, kontroverse Beiträge und kluge Köpfe!

Endlich mehr Demokratie wagen!

Zur heutigen Debatte im Plenum, bei der ich über das Thema direkte Demokratie spreche, habe ich ein Positionspapier zu möglichen Zukunftsperspektiven der direkten Demokratie in Berlin verfasst.

Damit will ich für die aktuelle Diskussion, die nach dem Tempelhof-Volksentscheid angestoßen wurde, eine erste Grundlage von unserer Seite legen.

Ich freue mich wie immer über Feedback!

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Zusammenfassung Positionspapier „Mehr Demokratie wagen!“

Das Tempelhoferfeld bleibt als Freifläche erhalten – das ist nicht dem Senat zu verdanken, sondern dem Volk. Volksentscheide geraten immer mehr zur Notbremse, die in letzter Sekunde Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen.

Direkte Demokratie muss sich kontinuierlich entwickeln – die derzeitigen Instrumente müssen gestärkt und auch reformiert werden, damit eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit politischen Vorhaben möglichst früh und eben nicht erst mit oder nach ihrem Abschluss stattfinden kann. Direkte Demokratie sollte nicht bloß der Intervention dienen, sondern vor allem der aktiven Beteiligung.

In Berlin haben Wahlberechtigte derzeit diverse, teils mehrstufige Möglichkeiten der direkten Demokratie, zusätzlich zum mehrteiligen Volksabstimmungsverfahren stehen auf Bezirksebene Bürgerbegehren bzw. Bürgerentscheid und Einwohneranträge als Instrumente zur Verfügung. Sie alle haben hohe Hürden z.B. durch Quoren und damit oft auch schmale Erfolgsaussichten gemeinsam. Auch inhaltlich sind sie beschränkt, statt vorgegebenen Ja/Nein-Fragen sollten unterschiedliche Entwürfe zur Abstimmung stehen. Änderungen, die zum Beispiel durch aktuelle Entwicklungen oder Erkenntnisgewinn notwendig werden, können derzeit nicht eingebracht werden.

Auch gibt es nach wie vor keine Möglichkeit der Online-Teilhabe, obwohl sich entsprechende Systeme und rechtliche Rahmenbedingungen leicht schaffen ließen.
Direkte Demokratie sollte ein selbstverständlicher Bestandteil von Stadtpolitik sein und Räume der Mitgestaltung schaffen – Berlin muss mehr Demokratie wagen!

Wir fordern deshalb:

  • Beteiligung an politischen Entscheidungen muss früh ansetzen – nicht erst, wenn bereits alles entschieden ist!
  • Der Zugang zu direkter Demokratie muss flexibler und einfacher werden – Quoren gehören auf den Prüfstand!
  • Möglichkeiten des Internets zur Partizipation müssen genutzt werden!
  • Das Volk soll befragt werden können – aber nicht anhand vorgegebener Ja/Nein-Entscheidungen, sondern mit der Möglichkeit, eigene Vorschläge einzubringen!
  • Kontinuierliche Weiter- und Neuentwicklung von Beteilungsmöglichkeiten!

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Debatte im Plenum


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Vollständiges Positionspapier: Mehr Demokratie wagen

Pressemitteilung: Endlich: Mehr Demokratie wagen!
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Kein TTIP mit Berlin?

Kein TTIP mit uns! Das fordert die Piratenfraktion in einem Antrag. Das Freihandelsabkommen beschränkt und umgeht massiv demokratische Instrumente, räumt Großkonzernen erhebliche gesetzliche Mitbestimmungsrechte ein und wird obendrein völlig intransparent verhandelt.

Im Ausschuss für Europa- und Bundesangelegenheiten, Medien fand am Mittwoch, dem 21.05.14 eine Anhörung dazu statt. Als Sacherständige geladen waren Herr Maier (Forum Umwelt & Entwicklung), Herr Dr. Reuther (ver.di), Herr Scholz (MdEP, Die Linke), Frau Weidenfeller (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie), um ihre Sicht auf das Freihandelsabkommen vorzustellen und Fragen des Ausschusses zu beantworten.

Für Lobbyisten wird das Abkommen in bunten Farben gemalt: Von einem „Jobwunder“ ist die Rede, von Erleichterungen für KMU (kleine und mittelständische Unternehmen), Wohlstand und Investorenschutz. Selbst wenn diese Versprechungen haltbar wären, würden sich Vorteile für Einzelne ergeben, während breite Einschränkungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung zu erwarten sind. So kritisiert Dr. Reuther von ver.di, dass Wirtschaftslobbys großen Einfluss auf den Vertragsabschluss haben, während zivilgesellschaftliche Projekte wie Gewerkschaften von den Verhandlungen weitgehend ausgeschlossen wurden.

Auch der Deutsche Kulturrat, der Dachverband der deutschen Kulturwirtschaft, sieht seine Interessen nicht vertreten und sieht die Kulturlandschaft durch das Abkommen bedroht. Die Buchpreisbindung könnte fallen, die Kulturförderung stark zurückgehen.

Paralleljustiz im Namen des Geldes

Wir werden auf absehbare Sicht kein transatlantisches Parlament haben. Deshalb können solche bilateralen Abkommen kaum demokratisch legitimiert werden – der geschaffene Markt reguliert sich bekanntlich eben nicht selbst, politische Instanzen haben kaum Handlungs- und Beeinflussungsmöglichkeiten. Dass das letzte Wort vermutlich (auch private) Gerichte sprechen, die konkrete Entscheidungen zu diffusen Formulierungen zu treffen haben werden, untergräbt die demokratische Legitimation des Abkommens weiter. Meier (Forum Umwelt & Entwicklung) spricht von der Etablierung einer Paralleljustiz, nicht im Namen des Volkes, sondern im Namen des Geldes.

Ob das Chlorhühnchen letztendlich kommt oder nicht – eine der größten Gefahren des Abkommen ist die Aufweichung von Standards, beispielsweise im Arbeitnehmer_innen- und Verbraucher_innen-Schutz. Und selbst wenn bestehende Standards erhalten bleiben können, ist für zukünftige Entwicklungen abzusehen, dass die Unternehmen dank Schiedsgerichtbarkeit schon in den Startlöchern stehen, um Klagewellen loszutreten.

Sogar Weidenfeller räumte ein, dass Deutschland als Rechtsstaat die geplanten Schiedsgerichte gar nicht braucht. Gleichzeitig verteidigt sie die Idee als Schutzmechanismus für deutsche Investoren. So sei schließlich erst kürzlich ein von deutschen Investoren gebauter Flughafen auf den Philippinen verstaatlicht worden. Die Gefahr, dass mit der geplanten Schiedsgerichtbarkeit Strukturen geschaffen werden, die langfristig die Gesetzgeber in ihrer Handlungsfreiheit beschränken könnten, wird so massiv bagatellisiert. Sie betreffen nicht nur einzelne Kapitalgeber, sondern uns alle!

„Gibt es überhaupt noch einen Grund für dieses Abkommen zu sein?“

Bei der Anhörung wurde deutlich, dass die Langzeitfolgen des Abkommens nicht absehbar sind und die verschiedensten Bereiche betreffen: Von Gesundheitssystem über Kulturförderung, bishin zu Migrationsströmen – TTIP verändert alles. Sobald die Verhandlungen abgeschlossen sind, ist kaum mit einer umfänglichen nachträglichen Anpassung zu rechnen, Revisionsklauseln sind gar nicht oder nur unzureichend enthalten.

Dem Fazit der Anhörung „Gibt es überhaupt noch einen Grund für dieses Abkommen zu sein?“ schließt sich die Piratenfraktion an – weiterhin Kein TTIP mit uns!

 

Meine Rede zur Beschlussempfehlung, 55. Plenarsitzung des Berliner Abgeordnetenhauses am 13.11.2014

Beschlussempfehlung
Änderungsantrag

Veranstaltung: Wie geht eigentlich Direkte Demokratie?

Kommende Woche berichte ich von der Reise des Rechtsausschusses in die Schweiz, an der ich teilgenommen habe. Im Land der direkten Demokratie wurden Modelle, Instrumente, Möglichkeiten und Grenzen der Mitbestimmung erörtert und Verbraucher_innenschutz-Konzepte vorgestellt.

Im Anschluss zum Reisebericht lade ich Sie herzlich zur Diskussion ein!
Der Eintritt ist frei.

 

Veranstaltungsort
Gute Laune Büro
Uhlandstraße 107
10717 Berlin

Kontakt:
E-Mail: kontakt@gutelaunebuero.de
Twitter: @gutelaunebuero
Telefon: 030 86395600

Plakat Ausschussreise Schweiz
 

 

 

 

 

 

 

 

 

Download Plakat Ausschussreise_140527

Unbegrenzte Bandbreiten: Anhörung zu Netzneutralität

Am Montag wurde mein Antrag „Offene Infrastruktur statt Zwei-Klassen-Internet: Berlin setzt sich ein für die Verteidigung der Netzneutralität“ (Drucksache: 17/0972)  im Ausschuss für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit (ITDat) behandelt.

Im Antrag fordert die Piratenfraktion, dass Internet- und Kommunikationsanbieter den Datenverbrauch von Spezialdiensten (wie z.B. Spotify) nicht bevorzugt behandeln dürfen. Alle Datenpakete müssen weiterhin gleichbehandelt werden, also unabhängig von Inhalt, Absender oder Empfänger gleich schnell ausgeliefert werden. Schon jetzt wird die Praxis des Zwei-Klassen-Internets vereinzelt umgesetzt: Einige Provider blockieren beispielsweise das Angebot von alternativen Telefonie-Anbietern wie Skype, Kabel Deutschland sperrt Streaming-Dienste.

Die sogenannte „Deep-Packet-Inspection“ ermöglicht darüber hinaus Providern, Metadaten von Kund_innen einzusehen und gegebenenfalls auch zu sammeln und zu eigenen Zwecken zu verwenden. Die daraus resultierenden Datenschutz-Probleme sind kaum abzusehen, gesetzliche Regelungen oder Kontroll- und Einsichtsmöglichkeiten existieren nicht.

Als anzuhörende Sachverständige in den Ausschuss geladen waren Herr Dr. Rohleder, Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) und Herr Sander, DigiGes (Digitale Gesellschaft e.V.).

Sander spricht im Zusammenhang Deep-Packet-Inspection von einer „privatsphärenfeindlichen Technologie“. So könnten Meta-Daten zwar nicht verraten, „welche Vorlieben Sie konkret haben, die Meta-Daten verraten aber beispielsweise die Nutzung einschlägiger Pornographie-Websites.“

Bundesweite Lösung zur Wahrung der Netzneutralität 

Wir rufen in unserem Antrag das Land Berlin auf, sich für eine bundesweite Lösung zur Erhaltung der Netzneutralität einzusetzen. Wir fordern die gesetzliche, schlupflochfreie Festschreibung einer garantierten Netzneutralität. Auf Antrag der Piratenfraktion konnte in Schleswig-Holstein ein Vorstoß erreicht werden: Alle Parteien sprachen sich für eine Bundesratsinitiative zum Verbot einer Ungleichbehandlung von Internetnutzern aus. Wir fordern den Senat auf, sich dieser Entscheidung anzuschließen!

Die EU-Kommission hat zur Thematik zwar einen Verordnungsvorschlag vorgelegt den das Europaparlament erheblich in Richtung Netzneutralität verbessert hat. Drosselungen und Blockierungen bei volumenbasierten Paketen sollen nicht möglich sein, „Spezialdienste“ wie YouTube oder Spotify sind in dem Vorschlag aber weiterhin erlaubt und unklar definiert. Es besteht weiterhin Diskussionspotential.

Die amerikanische FCC (Federal Communications Commission) verabschiedete sich erst in der vergangenen Woche von Netzneutralität. Im Hinblick auf das Freihandelsabkommen TTIP besteht hier dringender Handlungsbedarf – schreibt die EU nicht rechtzeitig eigene Regelungen fest, könnten mit geplanten Vertragsbestandteilen zum „Autorenschutz“ Neutralitätsregelungen umgangen werden.

„Die Internet-Zitrone wird bis auf den letzten Tropfen ausgepresst“

Sander von DigiGes e.V. sieht weitere Gefahren eines Mehrklassen-Internets: So würden Verbraucher_innen in einen Tarifdschungel mit kaum überblickbaren Angeboten geführt, kleine Anbieter, die Zusatzkosten für schnellere Services nicht leisten können, würden vom Markt gedrängt. „Die Internet-Zitrone wird bis auf den letzten Tropfen ausgepresst“, so Sander.

Einer „emotionalen Diskussion“ sieht sich der Bitkom, vertreten durch Herrn Dr. Rohleder, gegenüber. Ihm zufolge geht es bei der Bevorzugung von „Spezialdiensten“ lediglich um eine Überbrückung der nächsten 6 Jahre, bis unbegrenzte Bandbreiten in Mobil- und Festnetz winken. So sollen ab 2015 mit 5G, Bandbreiten mit 10 Git/s möglich sein, ab 2020 soll die Technologie gar flächendeckend verfügbar sein. Bei unbegrenzter Bandbreite für alle sind also gar keine Beschränkungen mehr zu erwarten, oder?

Die Erfahrung zeigt, dass der technologische Fortschritte immer mehr Speicherplatz und Bandbreite erfordert und parallel ständig neue Nutzungsszenarien entstehen. Es ist verantwortungslos, vom Status Quo ausgehend zukünftige Bedarfe zu raten und damit akut auftretende Probleme und Fragen wegzuwischen. Ein „gesunder“ Wettbewerb, bei dem auch kleine Anbieter partizipieren können, ist nur möglich, wenn das Internet in seiner jetzigen Form geschützt wird und alle Teilnehmer die gleichen Voraussetzungen haben.

Wir fordern den Senat auf, unserem Antrag zuzustimmen und sich für den Erhalt des freien, offenen Internets einzusetzen!

Grenzenlos im Gute Laue Büro – #borderless Mitmachen!

Jeden Dienstag gibt es im Büro der Guten Laune ab 19:00 Uhr ein offenes Treffen für alle, die Lust auf einen Piraten-Stammtisch ohne Stammtisch-Allüren aber mit viel guter Laune haben.

Dabei kannst Du eigene Ideen einbringen, Projekte vorstellen oder einfach das free WiFi nutzen und in netter Runde quatschen.

Heute beteiligen wir uns an der Aktion #borderless und drehen eigene Videos mit unserer Vision von einem grenzenlosen Europa.

Komm vorbei und mach mit!
Bring gerne dein Video-Equipment mit, eine Grundausstattung stellen wir zur Verfügung.

 

Die Aktion
#borderless – Europa. Grenzenlos.

pic.twitter.com/2iTYhZ10aY

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Abgeordnetensprechstunde im Gute Laune Büro

Das neue Stadtteilbüro von mir und Martin Delius in Wilmersdorf bietet neben Veranstaltungen, Projekten, Podcasts und Netzwerktreffen vor allem Raum für Ihre Anliegen und hoffentlich viele spannende Gespräche.

Gerne können Sie mit meiner Mitarbeiterin vor Ort, telefonisch oder per E-Mail einen persönlichen Termin mit mir vereinbaren. Daneben freut sich das Team des Gute Laune Büros auf Ihren Besuch zu unseren Öffnungszeiten.

Öffnungszeiten:
Montag & Donnerstag: 14:00 Uhr – 18:00 Uhr
Dienstag: 18:00 Uhr – 22:00 Uhr
Mittwoch & Freitag: 10:00 Uhr – 14:00 Uhr
Samstag & Sonntag bei Veranstaltungen geöffnet
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Kontakt:
E-Mail: kontakt@gutelaunebuero.de
Twitter: @gutelaunebuero
Telefon: 030 86395600
Adresse: Uhlandstraße 107, 10717 Berlin

Senat verschläft das Ende von Windows XP

Seit Jahren ist bekannt, dass Microsoft den Support für das Betriebssystem Windows XP zum 08.04.14 einstellen wird. Rechner, die über dieses Datum hinaus mit dem Produkt arbeiten, stellen gefährliche Sicherheitsrisiken dar. Im Januar wollte ich durch eine kleine Anfrage vom Senat unter anderem wissen, welcher Zeitplan für die Migration existiert, ob im Zuge der notwendigen Umstellung ein Wechsel zu Open Source Software erfolgen könnte und ob die Fachverfahren des Landes ohne Weiteres auf Windows 7 umgestellt werden können.

Derzeit basieren in der Berliner Verwaltung rund 48.560 IT-Arbeitsplätze auf Windows XP. Mehr als 30.000 davon arbeiten auch über den 8. April hinaus mit dem veralteten System. Verantwortlich sind dafür nicht nur technische, finanzielle oder personelle Hürden. Erst im Sommer 2013 erfasste der Senat, welche der rund 300 IT-Fachverfahren mit Windows 7 kompatibel sind. Viele waren und sind das nicht. Betroffen sind etwa Programme zum Betrieb von Kassenautomaten und EC-Zahlungen im Bezirksamt, Sozialamt, Ordnungsamt (…) oder auch „Wahlinfo Europawahlen“ und die Meldesoftware der Bürgerämter. Inkompatible Fachverfahren waren stets eines der Hauptargumente für einen generellen Windowseinsatz. Dass diese mit Windows 7 teilweise auch nicht kompatibel sein könnten, wurde viel zu spät erfasst.

Frank Henkel, zuständiger Senator für Inneres und Sport, verweist auf dezentrale Organisationsstrukturen und Zuständigkeiten. Die Umstellung erfolgt ämterweise, eine übergreifende Arbeitsgruppe gibt es nicht.  Aus dem IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) heißt es in extra herausgegebenen Sicherheitshinweisen lapidar: „Betroffene PCS sollten nicht mehr mit dem Internet verbinden.“

Am Beispiel der Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzerberg lässt sich erahnen, vor welche Probleme die Behörden damit gestellt werden. Wie aus einer mündlichen Anfrage der Piratenfraktion hervorgeht, ist eine Umstellung bisher bei 46 Rechnern erfolgt. Dies entspricht einem Anteil von 3%. Die Senatsverwaltung stellt indess keine zusätzlichen Mittel für neue Lizenzen zur Verfügung, weder im Haushalt 2014/2015, noch im Haushalt 2012/2013 wurden entsprechende Mehrausgaben berücksichtigt, auch eine Sonderregelung ist nicht in Sicht. Der Bezirk prüft parallel mit einer Open Source Kommission, wie zukünftig der Einsatz proprietärer Software eingeschränkt oder vermieden werden könnte.

Die Verantwortung alleine den Verwaltungen zu überlassen, diesen gleichzeitig aber keinerlei Mittel an die Hand zu geben, ist grob fahrlässig. Die dezentrale Verantwortungsstruktur in der IT muss dringend geprüft werden, eine übergreifende Arbeitsgruppe hätte die Migrationsplanung rechtzeitig und unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen bei Fachverfahren vornehmen müssen.

Das IT-Dienstleistungszentrum hat mit Microsoft ein „temporäres Notfallpaket“ ausgehandelt, um bis 2015 einen verlängerten Support anbieten zu können. Derzeit liegen ca. 15 Anmeldungen für das Paket vor, die Kosten werden mit ca. 10.000€ pro Behörde veranschlagt. Laut Datenschutzbeauftragen ist eine Inanspruchnahme des Angebotes für die betroffenen Behörden verpflichtend.

Gelöst sind die massiven Probleme bei der Umstellung durch das „Notfallpaket“ nicht. Die Migration wird nur aufgeschoben und muss bis spätestens bis 2015 abgeschlossen sein – selbst mit einer zentralen Organisationseinheit ein knapper Zeitplan. Da dieser Zeitpunkt in den derzeit laufenden Haushalt fällt, sind auch bis dahin keine zusätzlichen Mittel für die Umsetzung zu erwarten. Auch hier obliegt es den Bezirken, individuell einzukaufen.  Zu den Lizenzkosten und dem Aufwand im Rahmen der Umstellung kommen dann weitere, nicht gedeckelte Kosten für die Unterstützung durch Microsoft hinzu.

Für die kommende Sitzung des ITDAT am 05.05.14, habe ich daher den Besprechungspunkt „Fehlplanung bei der Umstellung von Windows XP und wie geht es weiter?“ angemeldet.

 

Presse

28.03.14 Pressemitteilung, Dr. Simon Weiß, „Senat verschläft das Ende von Windows XP“
07.04.14, Berliner Zeitung, “Berliner Behörden verschlafen Windows XP Umstellung”
08.04.14, Tagesspiegel, “Windows XP lebt in den Ämtern weiter”