Senat verschläft das Ende von Windows XP

Seit Jahren ist bekannt, dass Microsoft den Support für das Betriebssystem Windows XP zum 08.04.14 einstellen wird. Rechner, die über dieses Datum hinaus mit dem Produkt arbeiten, stellen gefährliche Sicherheitsrisiken dar. Im Januar wollte ich durch eine kleine Anfrage vom Senat unter anderem wissen, welcher Zeitplan für die Migration existiert, ob im Zuge der notwendigen Umstellung ein Wechsel zu Open Source Software erfolgen könnte und ob die Fachverfahren des Landes ohne Weiteres auf Windows 7 umgestellt werden können.

Derzeit basieren in der Berliner Verwaltung rund 48.560 IT-Arbeitsplätze auf Windows XP. Mehr als 30.000 davon arbeiten auch über den 8. April hinaus mit dem veralteten System. Verantwortlich sind dafür nicht nur technische, finanzielle oder personelle Hürden. Erst im Sommer 2013 erfasste der Senat, welche der rund 300 IT-Fachverfahren mit Windows 7 kompatibel sind. Viele waren und sind das nicht. Betroffen sind etwa Programme zum Betrieb von Kassenautomaten und EC-Zahlungen im Bezirksamt, Sozialamt, Ordnungsamt (…) oder auch „Wahlinfo Europawahlen“ und die Meldesoftware der Bürgerämter. Inkompatible Fachverfahren waren stets eines der Hauptargumente für einen generellen Windowseinsatz. Dass diese mit Windows 7 teilweise auch nicht kompatibel sein könnten, wurde viel zu spät erfasst.

Frank Henkel, zuständiger Senator für Inneres und Sport, verweist auf dezentrale Organisationsstrukturen und Zuständigkeiten. Die Umstellung erfolgt ämterweise, eine übergreifende Arbeitsgruppe gibt es nicht.  Aus dem IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ) heißt es in extra herausgegebenen Sicherheitshinweisen lapidar: „Betroffene PCS sollten nicht mehr mit dem Internet verbinden.“

Am Beispiel der Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzerberg lässt sich erahnen, vor welche Probleme die Behörden damit gestellt werden. Wie aus einer mündlichen Anfrage der Piratenfraktion hervorgeht, ist eine Umstellung bisher bei 46 Rechnern erfolgt. Dies entspricht einem Anteil von 3%. Die Senatsverwaltung stellt indess keine zusätzlichen Mittel für neue Lizenzen zur Verfügung, weder im Haushalt 2014/2015, noch im Haushalt 2012/2013 wurden entsprechende Mehrausgaben berücksichtigt, auch eine Sonderregelung ist nicht in Sicht. Der Bezirk prüft parallel mit einer Open Source Kommission, wie zukünftig der Einsatz proprietärer Software eingeschränkt oder vermieden werden könnte.

Die Verantwortung alleine den Verwaltungen zu überlassen, diesen gleichzeitig aber keinerlei Mittel an die Hand zu geben, ist grob fahrlässig. Die dezentrale Verantwortungsstruktur in der IT muss dringend geprüft werden, eine übergreifende Arbeitsgruppe hätte die Migrationsplanung rechtzeitig und unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen bei Fachverfahren vornehmen müssen.

Das IT-Dienstleistungszentrum hat mit Microsoft ein „temporäres Notfallpaket“ ausgehandelt, um bis 2015 einen verlängerten Support anbieten zu können. Derzeit liegen ca. 15 Anmeldungen für das Paket vor, die Kosten werden mit ca. 10.000€ pro Behörde veranschlagt. Laut Datenschutzbeauftragen ist eine Inanspruchnahme des Angebotes für die betroffenen Behörden verpflichtend.

Gelöst sind die massiven Probleme bei der Umstellung durch das „Notfallpaket“ nicht. Die Migration wird nur aufgeschoben und muss bis spätestens bis 2015 abgeschlossen sein – selbst mit einer zentralen Organisationseinheit ein knapper Zeitplan. Da dieser Zeitpunkt in den derzeit laufenden Haushalt fällt, sind auch bis dahin keine zusätzlichen Mittel für die Umsetzung zu erwarten. Auch hier obliegt es den Bezirken, individuell einzukaufen.  Zu den Lizenzkosten und dem Aufwand im Rahmen der Umstellung kommen dann weitere, nicht gedeckelte Kosten für die Unterstützung durch Microsoft hinzu.

Für die kommende Sitzung des ITDAT am 05.05.14, habe ich daher den Besprechungspunkt „Fehlplanung bei der Umstellung von Windows XP und wie geht es weiter?“ angemeldet.

 

Presse

28.03.14 Pressemitteilung, Dr. Simon Weiß, „Senat verschläft das Ende von Windows XP“
07.04.14, Berliner Zeitung, “Berliner Behörden verschlafen Windows XP Umstellung”
08.04.14, Tagesspiegel, “Windows XP lebt in den Ämtern weiter”

2 Gedanken zu „Senat verschläft das Ende von Windows XP

  1. dana

    xp läuft bei mir klasse, immer wieder erlebe ich klugscheisser die meinen die bank von england zu sein, und mir ist es egal.

    warum immer diese geheimniskrämerei?
    was habt ihr zu verbergen was die nsa nicht längst wüsste.

    ha ha ha

    Antworten
  2. Pingback: Windows XP in der Berliner Verwaltung: Zweite Frist zum Umstieg verpasst? | Simon Weiß

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