Open Source für Friedrichshain-Kreuzberg

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat nach Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung und großem Engagement der Piraten Friedrichshain-Kreuzberg eine Open Source Kommission eingerichtet, um zu prüfen, ob und wie quelloffene Software in die Bezirks-IT implementiert werden könnte. Diesen Vorstoß begrüße ich ausdrücklich, hebt er sich doch von zögerlichen oder nicht vorhandenen Migrationsansätzen auf Landesebene ab. So freute ich mich sehr über eine Einladung zur zweiten Sitzung der OSS-Kommission.

Das Projekt „Open Source für Friedrichshain-Kreuzberg“ beleuchtet Aspekte einer möglichen Umstellung von Betriebssystemen und Anwendersoftware auf Open Source Produkte. 40% der Server laufen bereits jetzt mit Open Source Software, auch hier soll der Anteil erhöht werden. In der ersten Sitzung wurden Pilot- und Modellprojekte vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht, bei der Sitzung in der vergangenen Woche drehte sich alles um technische Aspekte einer möglichen Umstellung.

Zum Thema „Technische Aspekte einer Migration“ referierten Dr. Ludwig Bohrer (Senatsverwaltung für Inneres und Sport/ITDZ Berlin), Thomas Dickmann, Leiter Produktmanagement des IT-Dienstleistungszentrum sowie Michael Arndt von der Open Source Business Alliance (OSBA).

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zahlreiche Bedenken und Sachzwänge, aber auch Lösungsansätze geäußert. Einen Paradigmenwechsel und Mut zum Risiko forderte beispielsweise Michael Arndt (OSBA). Zunächst könnten Mischverfahren, also der strategische, parallele Einsatz von proprietärer und OS-Software angewendet werden. Auch die komplexen IT-Fachverfahren könnten als OSS-Projekte ausgeschrieben werden.

Arndt verdeutlichte nochmals die Vorteile von OSS wie Anwendungssicherheit bei hoher Nutzerfreundlichkeit, variabel auswählbare Dienstleister, Investitionssicherheit, kontrollierbarer Code, standardisierte Entwicklung, effiziente Ressourcennutzung, schnelle Fehlerbehebung und Förderungen der lokalen Wirtschaft.

„Open Source braucht keinen Welpenschutz mehr“, so Arndt. Er ruft zu einem konzeptionelle Wechsel auf und fordert, sich Sachzwängen nicht immer wieder hinzugeben. Das IT-Dienstleistungszentrum, vertreten von Thomas Dickmann, machte deutlich, dass das Zentrum entsprechend des geäußerten Bedarfs zur Unterstützung zur Verfügung stehe.

Die Kommission kommt das nächste Mal am 20.03.14 zusammen und befasst sich in der öffentlichen Sitzung mit rechtlichen Aspekten einer OSS-Migration. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg!

 

Weiterführende Links

Antrag „Leitlinien für einen standardisierten It-Arbeitsplatz – Offen und zukunftsorientiert“
Kleine Anfrage Simon Weiß zum standardisierten IT-Arbeitsplatz
Kleine Anfrage Simon Weiß Migration von Windows XP
IT-Standards der Berliner Verwaltung 2013
IT-Standardisierungsgrundsätze
Berliner Netzwerk für freie IT

3 Gedanken zu „Open Source für Friedrichshain-Kreuzberg

  1. Lisa

    So löblich wie das hier in dem Blogbeitrag auch klingen mag, mein Eindruck ist doch eher bescheiden. Je höher die Beamten und Politiker ihren Sessel hochgeschraubt haben, desto mehr hat man den Eindruck: „Opensource, muss nicht sein, darauf können wir drauf verzichten“. Allein schon bei der Koalitionsvertrag (Absichtserklährung) zwischen SPD/CDU wo lediglich „OpenSource alternativen mit zu bedenken sind“ zeichnet das politische Ziel deutlich ab. Propritäre Lösungen werden Eingekauft, allen vorran Produkte von Microsoft. Hat der Regierende Bürgermeister in seinen Skiurlaub diesen Jahres besuch von M$-Mitarbeitern bekommen?

    Zudem gilt die Devise, „keine Eigenentwicklung“. Die politische Führung allen vorran Klaus Wowereit, aber auch Hr. Henkel als Innensenator lassen sich von Lobbyisten einspannen. Was den größeren Mehrwert für die Menschen in Berlin/Bezirken bringt, blenden sie aus. OpenSourceSoftware wäre schon mal ein gang in die richtige Richtung, und der Weg hin zur Freien Software wäre immer noch weit. Aber selbst den kleinen Schritt wollen sie nicht machen. Und die Menschen müssen für diese verruchte Politik teuer bezahlen.

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  2. Pingback: Senat verschläft das Ende von Windows XP | Simon Weiß

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